Kurzantwort: Ein Cinch-Kabel, international RCA genannt, überträgt zwei unsymmetrische Signale mit rund 2 V Spitze-Spitze. Der Innenleiter führt das Signal, der Schirm ist zugleich Masse und Abschirmung. Für kurze Wege im Wohnzimmer reicht ein gutes geschirmtes Kabel, ab etwa 5 m entscheiden Kapazität und Schirmqualität über Höhenverlust und Störanfälligkeit. Brummen entsteht meist durch eine Masseschleife, nicht durch das Kabel.
Cinch ist die einfachste analoge Verbindung im Consumer-Bereich und gleichzeitig die empfindlichste. Was bei einem Meter selbstverständlich funktioniert, wird bei fünf Metern zur Frage der Auslegung.
Wie ein Cinch-Signal aufgebaut ist
Zwei Adern, ein Bezug
Ein Kanal besteht aus Innenleiter und Schirm. Der Schirm führt den Rückstrom und schirmt gleichzeitig gegen Einstreuung. Weil Signal und Rückstrom unterschiedliche Wege nehmen, ist die Anordnung unsymmetrisch: Störungen, die auf beiden Leitern gleichartig ankommen, werden nicht ausgelöscht, sondern addieren sich zum Signal. Deshalb ist die Qualität des Schirms hier wichtiger als der Querschnitt des Innenleiters.
Pegel und Pegelbezug
Consumer-Geräte arbeiten mit etwa 2 V Spitze-Spitze, also rund 0,7 V effektiv. Das ist der Grund, weshalb lange Cinch-Wege im Wohnzimmer unkritisch sind, im Studio aber nicht. Studio-Geräte liefern 1,23 V effektiv als Bezug. Wer beide Welten mischt, bekommt entweder einen zu leisen oder einen übersteuerten Kanal. Ein reines Kabel ändert daran nichts, ein Pegelwandler schon.
Cinch, XLR und Klinke im Vergleich
| Anschluss | Führung | Pegel | Sinnvolle Länge |
|---|
| Cinch | unsymmetrisch | rund 0,7 V eff. | bis 5 m |
| XLR | symmetrisch | 1,23 V eff. | bis 50 m |
| 3,5 mm Klinke | unsymmetrisch | rund 0,5 bis 1 V | bis 3 m |
Die Tabelle erklärt, warum im Studio XLR verwendet wird: Die symmetrische Führung löscht Störungen aus, weil sie auf beiden Adern gleichsinnig ankommen und im Empfänger subtrahiert werden. Bei Cinch fehlt dieser Mechanismus, deshalb bleibt nur Schirmung als Schutz.
Kapazität und Höhenverlust
Warum lange Kabel dumpf klingen
Ein Kabel wirkt wie ein Tiefpass, weil Kapazität und Quellwiderstand zusammen einen Filter bilden. Bei 100 pF pro Meter und 5 m ergeben sich 500 pF. Mit einem Quellwiderstand von 1 kOhm liegt die Grenzfrequenz rechnerisch bei rund 318 kHz, bei 10 kOhm nur noch bei 32 kHz. Hohe Quellwiderstände machen lange Kabel problematisch.
Schirmung und Einstreuung
Ein Geflechtschirm deckt mehr Fläche ab als eine Wendelschirmung und ist bei niedrigen Frequenzen wirksamer. In der Nähe von Netzteilen und Dimmern zählt vor allem die Dichte des Geflechts. Ein Kabel mit 95 Prozent Abdeckung ist hier deutlich im Vorteil.
Brummen richtig zuordnen
Ein 50-Hz-Brummen entsteht fast immer durch unterschiedliche Erdpotentiale zwischen zwei Geräten. Der Ausgleichsstrom fließt über den Schirm und wird zum Signal. Abhilfe schafft ein Trenntrafo, ein Symmetrierübertrager oder eine gemeinsame Steckdosenleiste. Ein anderes Kabel löst das Problem nicht, weil die Ursache im Potential liegt.
Höhere Frequenzen, etwa ein Pfeifen, deuten dagegen auf Einstreuung durch Schaltnetzteile oder Datenleitungen. Hier hilft Abstand oder ein besser geschirmtes Kabel. Die Grundlagen der symmetrischen Führung sind unter Symmetrisch gegen unsymmetrisch beschrieben, die Kabelübersicht unter Cinch-Kabel.
Digital oder analog
Ein Cinch-Kabel für digitales Audio muss 75 Ohm Wellenwiderstand haben, ein analoges Kabel nicht zwingend. Äußerlich sehen beide gleich aus. Wer ein analoges Kabel für S/PDIF verwendet, riskiert bei langen Wegen Aussetzer. Umgekehrt funktioniert ein Digitalkabel für analoge Signale problemlos. Der Übergang zu Klinke ist unter Cinch auf Aux beschrieben.
Praktische Einsatzszenarien
- Plattenspieler mit Vorverstärker: Kurzes Kabel unter 1 m, weil das Signal hier besonders klein ist und Einstreuung stärker wirkt.
- CD-Player an Verstärker: 0,5 bis 1 m, geschirmt, mit festen Steckern statt vergoldeter Billigware mit wackeligem Kontakt.
- Aktivsubwoofer an Receiver: Ein Mono-Kabel, bei Bedarf mit Y-Adapter, Länge unter 5 m.
- Mehrraumverteilung: Ab 5 m auf symmetrische Technik wechseln oder einen Übertrager einsetzen.
Häufig gestellte Fragen
Warum brummt es, obwohl das Kabel neu ist?
Weil das Brummen aus einer Masseschleife kommt und nicht aus dem Kabel. Stecken Sie alle Geräte an eine Leiste und trennen Sie testweise die Antennenleitung. Verschwindet das Brummen, liegt es an unterschiedlichen Erdpotentialen.
Wie lang darf ein Cinch-Kabel sein?
Für Line-Pegel sind 5 m unproblematisch, 10 m mit gutem Kabel und niedrigem Quellwiderstand meist auch. Für Mikrofonsignale ist Cinch grundsätzlich ungeeignet, weil die Pegel zu klein und die Störanfälligkeit zu hoch ist.
Kann ich ein Digitalkabel für analoge Signale nutzen?
Ja. Ein 75-Ohm-Digitalkabel erfüllt die Anforderungen für analoge Signale ebenfalls, weil Kapazität und Schirmung mindestens gleichwertig sind. Umgekehrt ist es riskant, weil ein analoges Kabel den Wellenwiderstand nicht garantiert.