Kurzantwort: Cat 6a ist für 10GBase-T über die vollen 100 m bei 500 MHz ausgelegt. Cat 6 schafft 10G nur bis etwa 55 m, weil bei höheren Frequenzen das Nebensprechen zwischen den Paaren zunimmt. Cat 6a erreicht das durch größeren Aderquerschnitt und Schirmung, ist dadurch dicker, steifer und teurer. Für ein Heimnetz mit 1G reicht Cat 5e, für 2,5G und 5G ist Cat 6 die wirtschaftliche Wahl.
Die Entscheidung für Cat 6a ist selten eine Frage der Geschwindigkeit im Alltag, sondern eine Frage der Reserve. Wer heute in eine Wand investiert, will sie in zehn Jahren nicht öffnen.
Was Cat 6a von Cat 6 unterscheidet
Frequenz und Nebensprechen
Cat 6 ist bis 250 MHz spezifiziert, Cat 6a bis 500 MHz. Bei 10GBase-T arbeiten alle vier Paare gleichzeitig in beide Richtungen, wodurch Übersprechen zwischen benachbarten Kabeln, das sogenannte Alien Crosstalk, zum begrenzenden Faktor wird. Cat 6a reduziert das durch Schirmung und größeren Abstand der Paare.
Mechanik und Verlegung
Cat 6a hat typischerweise AWG 23 statt AWG 24 und einen größeren Außendurchmesser. Das erschwert das Einziehen in enge Rohre und erhöht den Biegeradius. Wer in Bestandsrohren nachrüstet, sollte den Querschnitt vorher prüfen, sonst bleibt das Kabel stecken. Als Faustregel gilt das Zehnfache des Kabeldurchmessers als minimaler Biegeradius.
Klassen und Reichweiten
| Klasse | Frequenz | 1G | 10G | Schirmung |
|---|
| Cat 5e | 100 MHz | 100 m | nicht spezifiziert | keine |
| Cat 6 | 250 MHz | 100 m | etwa 55 m | optional |
| Cat 6a | 500 MHz | 100 m | 100 m | Standard |
| Cat 7 | 600 MHz | 100 m | 100 m | S/FTP |
| Cat 8 | 2000 MHz | 30 m | 30 m | S/FTP |
Cat 8 ist kein Ersatz für Cat 6a in der Fläche. Die 2000 MHz gelten nur auf 30 m und sind für Rechenzentren gedacht, nicht für Gebäudeverkabelung. Wer Cat 8 in ein Wohnhaus legt, zahlt für Reserve, die er nie nutzt.
Schirmung richtig behandeln
Einseitig oder beidseitig
Eine Schirmung wirkt nur, wenn sie fachgerecht angeschlossen ist. Bei S/FTP wird der Schirm beidseitig auf das Patchpanel und die Dose aufgelegt, damit Störströme abfließen können. Wird der Schirm nur einseitig verbunden, wirkt er als Antenne und kann Störungen sogar verstärken.
Potentialausgleich
Zwischen Gebäudeteilen können Potentialunterschiede auftreten. Der Schirm muss dann in den Potentialausgleich einbezogen werden, sonst fließen Ausgleichsströme über die Schirmung und das Kabel wird warm. In Wohnungen ist das selten ein Thema, in Industrieanlagen regelmäßig.
PoE und Wärme
Mit PoE nach IEEE 802.3bt fließen bis zu 90 W über das Kabel. In Bündeln von 20 oder 30 Kabeln staut sich die Wärme, und der Widerstand steigt. Cat 6a mit AWG 23 hat hier Vorteile, weil der Querschnitt größer ist und weniger Verluste entstehen. Nach der Installation wird die Strecke mit einem Zertifizierer geprüft, der Permanent Link und Channel getrennt misst. Für Dachkameras und Accesspoints ist das relevanter als die Datenrate. Der Vergleich der Klassen steht unter Cat6 gegen Cat6a, die Frage der Schirmung unter Cat6a geschirmt gegen ungeschirmt.
Wer nur 1G einsetzt und keine PoE-Last hat, kommt mit Cat 5e aus. Der Sprung zu Cat 6 kostet wenig und bringt Reserve für 2,5G, der Sprung zu Cat 6a kostet deutlich mehr. Die Abstufung zu Cat 7 ist unter Cat6 gegen Cat7 erklärt.
Praktische Einsatzszenarien
- Neubau mit Leerrohren: Cat 6a einziehen, solange die Wände offen sind. Der Aufpreis ist geringer als eine spätere Sanierung.
- Büroetage mit 10G-Backbone: Cat 6a von der Dose zum Patchpanel, kurze Patchkabel in Cat 6a im Rack.
- Werkstatt mit Störquellen: Geschirmte Cat 6a-Leitung an Motoren und Frequenzumrichtern vorbei, Schirm beidseitig auflegen.
- Heimnetz mit 1G: Cat 5e oder Cat 6 reichen aus, Cat 6a bringt keinen messbaren Vorteil.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich Cat 6a zu Hause?
Nur wenn 10G über mehr als 55 m geplant ist oder viele PoE-Geräte gebündelt laufen. Für 1G und 2,5G reicht Cat 6. Wer in einer Mietwohnung ohnehin nicht verlegen kann, kauft fertige Cat-6-Patchkabel.
Reicht Cat 6 für 10 GBit/s?
Bis etwa 55 m ja, darüber nicht mehr garantiert. In der Praxis ist die Grenze von Installation, Bündelung und Temperatur abhängig. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt Cat 6a.
Muss die Schirmung geerdet werden?
Ja, beidseitig über Dose und Patchpanel. Eine nicht angeschlossene Schirmung bringt keinen Vorteil und kann Störungen einstreuen. In Gebäuden mit getrennten Erdpotentialen gehört die Schirmung in den Potentialausgleich.