Kurzantwort: Bei XLR für symmetrisches Audio führt Pin 1 den Schirm, Pin 2 das heiße Signal und Pin 3 das kalte, also gegenphasige Signal. Diese Belegung ist in AES14-1992 festgehalten und gilt bei aktuellen Mikrofonen, Mischpulten und Interfaces. Pin 3 ist keine Masse. Werden Pin 2 und Pin 3 vertauscht, bleibt der Ton hörbar, dreht aber um 180 Grad; bei zwei Mikrofonen an einer Quelle entstehen Auslöschungen im Bass. Der Schirm gehört an Pin 1 und wird nur an einem Kabelende niederohmig mit dem Gehäuse verbunden.
Ein XLR-Kabel besteht aus zwei Adern, einem Schirm und drei Stiften. Die Fehler entstehen selten im Kupfer, sondern in der Zuordnung der Pins, in der Schirmführung und in der Frage, welches Ende Masse führt. Wer die Belegung einmal sauber festlegt, grenzt Brummen, Phasendreher und Pegelverluste ein, statt Stecker für Stecker zu tauschen. Die folgenden Abschnitte beschreiben die Pin-Belegung und die Stellen, an denen Störungen entstehen.
Die drei Pins und ihre Funktion
Die Nummern sind am Stecker eingeprägt; gezählt wird auf die Kontakte gesehen von vorn.
Pin 1: Schirm und Bezugspotenzial
Pin 1 führt den Schirm und damit das Bezugspotenzial der Differenzverstärker. Der Schirm umschließt beide Signaladern und fängt eingestreute Felder ab. Er ist keine Signalleitung und soll keinen Betriebsstrom führen; fließt Strom über den Schirm, entsteht eine Spannung, die als Brummen im Nutzsignal liegt.
Pin 2 und Pin 3: das differenzielle Paar
Pin 2 führt das Signal in Phase, Pin 3 dasselbe Signal mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Empfänger bildet die Differenz beider Adern, gleichartige Störungen fallen dabei heraus. Für die Belegung zählt die Polarität: Ein vertauschtes Paar klingt nicht falsch, es klingt phasengedreht. Wie ein unsymmetrisches Kabel aufgebaut ist und wo dort der Schirm liegt, zeigt der Vergleich zum Phono-Cinch-Kabel.
Vertauschte Pins: Was tatsächlich passiert
Ältere Geräte und manche Kabel aus US-Produktion führen Pin 3 historisch als heiß. Trifft ein solches Kabel auf ein Gerät nach AES14, ist das Signal um 180 Grad gedreht. Einzeln gehört ist der Unterschied kaum auffällig, bei zwei Mikrofonen auf einer Quelle oder bei einer Summe aus mehreren Kanälen löschen sich tiefe Frequenzen aus. Ein Adapter, der Pin 2 und Pin 3 tauscht, ist die saubere Lösung; Umlöten im Stecker gefährdet die Zugentlastung.
| Pin | Signal | Polarität | Anschluss im Kabel |
|---|
| 1 | Schirm, Bezug | keine | Geflecht, Gehäuse |
| 2 | heiß (+) | in Phase | Ader 1, verdrillt |
| 3 | kalt (−) | 180 Grad gedreht | Ader 2, verdrillt |
| Gehäuse | Zugentlastung | keine | Kabelmantel |
Warum die symmetrische Übertragung Störungen löscht
Eine Störung von außen trifft beide Adern nahezu gleich. Der Empfänger verstärkt nur die Differenz, die Gleichtaktanteile heben sich auf. Das Maß dafür ist die Gleichtaktunterdrückung in dB; sie hängt weniger vom Kupfer als von der Symmetrie des Aufbaus ab, also von gleichen Querschnitten und gleichmäßiger Verdrillung. Für AES/EBU ist die Strecke auf 110 Ohm spezifiziert. Bei Analogsignalen ist die Impedanz unkritisch, bei digitalen Signalen mit steilen Flanken nicht: Reflexionen an Fehlanpassungen verschieben die Flanken und erhöhen den Jitter.
Das Pin-1-Problem
Brummen entsteht häufig nicht durch fehlende Schirmung, sondern durch den Weg des Schirmstroms. Wird Pin 1 über eine lange Leitung im Steckergehäuse geführt, wirkt diese als Induktivität; hochfrequente Störungen aus Schaltreglern finden dann keinen kurzen Weg zur Masse.
Schirm einseitig oder beidseitig?
Im Studio hat sich durchgesetzt, den Schirm an beiden Enden mit dem Gehäuse zu verbinden und Pin 1 kurz und breit an das Gehäuse zu legen. In Anlagen mit großen Potenzialunterschieden zwischen den Geräten bleibt nur die einseitige Verbindung, meist am Empfänger; die andere Seite muss dann offen bleiben, sonst entsteht eine Brummschleife über den Schirm. Gemischt in einer Anlage erzeugen beide Varianten Fehler, die sich schwer finden lassen.
Querschnitt, Kapazität und Länge
Mikrofonkabel führen 0,14 bis 0,25 mm² je Ader; das genügt, weil am Eingang kaum Strom fließt. Entscheidend ist die Kapazität, denn sie bildet mit dem Ausgangswiderstand der Quelle einen Tiefpass: 30 m bei 60 pF/m ergeben 1,8 nF, mit 1 kOhm Quellwiderstand liegt die Grenzfrequenz bei rund 88 kHz, mit 10 kOhm bei rund 9 kHz. Niederohmige Ausgänge verschieben die Grenze nach oben. Für Lautsprecherstrecken gelten andere Regeln, weil dort Strom fließt; Details stehen unter Lautsprecherkabel Bi-Wiring. Mechanisch zählt der Mantel: Ein Gesleevte Kabel-Aufbau mit Geflecht schützt besser gegen Scheuern, erhöht aber die Steifigkeit.
Praxisbeispiele
- Situation: Ein Mikrofon brummt nur an einem Kanal. Zuerst Pin 1 prüfen: Liegt der Schirm auf dem Gehäuse? Danach das Kabel gegen ein bekannt gutes tauschen, um die Buchse auszuschließen.
- Situation: Zwei Overheads klingen zusammen dünn, einzeln normal. Eines der Kabel ist Pin 2 gegen Pin 3 vertauscht. Adapter tauschen, Kabel nicht umlöten.
- Situation: 40 m vom Pult zum Aufnahmeraum. Symmetrisch bleiben, 0,22 mm² je Ader, Kapazität unter 70 pF/m, keine unsymmetrischen Zwischenstücke.
- Situation: AES/EBU über vorhandenes Mikrofonkabel. Nur mit passender Impedanz und 110-Ohm-Steckern arbeiten und die Länge dokumentieren.
FAQ
Ist Pin 3 bei XLR immer kalt?
Nach AES14-1992 ja, und aktuelle Geräte halten sich daran. Ausnahmen finden sich bei älteren Geräten aus US-Produktion und bei Kabeln, die dafür konfektioniert wurden; dort liegt Pin 3 auf heiß. Bei unbekannter Herkunft hilft ein Blick in die Dokumentation oder eine Messung mit Testsignal.
Lässt sich ein XLR-Kabel unsymmetrisch betreiben?
Ja, wenn die Quelle unsymmetrisch ist: Das Signal liegt dann auf Pin 2, Pin 3 wird mit Pin 1 verbunden. Die Störunterdrückung entfällt, weil keine zweite Ader mit gegenphasigem Signal mehr vorhanden ist. Die Strecke bleibt kurz, typischerweise unter 5 m, sonst steigt die Anfälligkeit für Einstreuungen deutlich an.
Warum brummt es trotz geschirmtem Kabel?
Meist liegt der Schirm nicht niederohmig am Gehäuse, oder er ist an beiden Enden mit unterschiedlichen Potenzialen verbunden. Prüfen: kurze, breite Verbindung von Pin 1 zum Gehäuse, Schirm nur an einem Ende, getrennte Stromkreise. Ein Bruch im Schirm zeigt sich oft erst, wenn der Stecker bewegt wird.