Kurzantwort: Cat 6 ist auf 250 MHz spezifiziert und trägt 1 Gbit/s über die volle Kanallänge von 100 m. Für 10GBASE-T reicht die Kategorie nur 55 m weit, danach beginnt Cat 6a mit 500 MHz und 100 m. Entscheidend sind weniger die Kategorie auf dem Aufdruck als die Einhaltung von 90 m Verlegelänge plus zwei Patchfeldern, ein Aderquerschnitt von 23 AWG und ein sauber geführter Schirm. Cat 6 in U/UTP ist für Wohnung und Büro ausreichend, solange keine Störquellen parallel laufen.
Die Kategorie beschreibt eine Prüfmatrix, keine Geschwindigkeit. Cat 6 wird gegen 250 MHz geprüft, mit Grenzwerten für Einfügedämpfung, Nahnebensprechen, Summennebensprechen und Rückflussdämpfung. Ob darüber 1 oder 10 Gbit/s laufen, hängt von Leitungscodierung, Länge und Störumgebung ab. Wer ein Kabel für die nächsten zehn Jahre einkauft, sollte deshalb nicht die Kategorie vergleichen, sondern die Reservelänge, die im Gebäude tatsächlich gebraucht wird.
Was 250 MHz in der Praxis bedeuten
Die 250 MHz sind die höchste Frequenz, bei der das Kabel die Grenzwerte noch einhält. Mit steigender Frequenz sinkt das Signal und steigt das Übersprechen zwischen den Paaren. Deshalb ist die Dämpfungsreserve am oberen Ende der Bandbreite am kleinsten und jede zusätzliche Länge wirkt dort am stärksten.
Kanal, Link und Patchfeld
Die 100 m gelten für den Kanal, also die gesamte Strecke vom Gerät zum Gerät. Davon entfallen 90 m auf die Verlegestrecke und je 5 m auf die Patchkabel an beiden Enden. Wird diese Aufteilung überschritten, sinkt die Dämpfungsreserve, auch wenn die einzelnen Komponenten ihre Kategorie erfüllen. Ein 20-m-Patchkabel an einer 90-m-Strecke ergibt keinen konformen Kanal, sondern eine Strecke mit 110 m und entsprechendem Verlust.
Adern und Querschnitt
Cat 6 wird üblicherweise mit 23 AWG gefertigt, das sind 0,57 mm Kupferdurchmesser. Dünnere Adern mit 24 AWG lassen sich leichter verlegen, haben aber höhere Dämpfung und sind bei PoE thermisch schlechter. Bei fester Verlegung ist 23 AWG die sichere Wahl, 26 AWG bleibt kurzen Patchstrecken vorbehalten.
1 Gbit/s, 2,5 Gbit/s und 10 Gbit/s
1 Gbit/s und 2,5 Gbit/s: 100 m unkritisch
1000BASE-T nutzt alle vier Paare mit 125 MBaud und benötigt nur einen Bruchteil der 250 MHz. Auf Cat 6 ist die Strecke bis 100 m unproblematisch, ebenso 2,5GBASE-T mit denselben 100 m. Bei 5GBASE-T bleibt es bei 100 m, sofern die Kabelqualität stimmt. In diesen Fällen ist die Kategorie nicht der Engpass, sondern die Konfektion: schlecht aufgelegte Adernpaare kosten mehr Reserve als jede Längenüberschreitung.
10GBASE-T: 55 m, nicht 100 m
10GBASE-T arbeitet mit 400 MHz und liegt damit oberhalb der Cat-6-Bandbreite. Die Norm erlaubt Cat 6 deshalb nur bis 55 m, und das auch nur bei geringem Nebensprechen zwischen benachbarten Kabeln. In Bündeln mit vielen Leitungen sinkt diese Grenze weiter. Wer 10 Gbit/s über 100 m braucht, kommt an Cat 6a mit 500 MHz nicht vorbei. Die nächste Stufe mit 2000 MHz und 30 m ist beim Cat-8-Kabel beschrieben.
Schirmung und Potentialausgleich
Cat 6 gibt es als U/UTP ohne Schirm und als F/UTP mit Gesamtschirm aus Folie. In Wohnungen mit kurzen Parallelstrecken zu 230-V-Leitungen reicht U/UTP meist aus. In Industrieumgebungen, neben Frequenzumrichtern oder in Kabelbündeln mit vielen Datenleitungen hilft ein Schirm, aber nur mit durchgehendem Potentialausgleich über Patchfeld und Stecker. Ein Schirm ohne Erdung wirkt als Antenne und verschlechtert die Störfestigkeit. Details zu F/UTP und S/FTP stehen unter Netzwerkkabel abgeschirmt.
| Kategorie | Bandbreite | 1 Gbit/s | 10 Gbit/s | Schirmung üblich |
|---|
| Cat 5e | 100 MHz | 100 m | nicht spezifiziert | U/UTP |
| Cat 6 | 250 MHz | 100 m | 55 m | U/UTP, F/UTP |
| Cat 6a | 500 MHz | 100 m | 100 m | F/UTP, S/FTP |
| Cat 8 | 2000 MHz | 30 m | 30 m | S/FTP |
Biegeradius, Zuglast und Verlegung
Cat 6 hat einen Biegeradius von mindestens vier Kabeldurchmessern im verlegten Zustand, das sind bei 6,5 mm rund 26 mm. Wird enger gebogen, verschieben sich die Paarabstände und die Dämpfung steigt lokal. Die Zuglast liegt typisch bei 110 N, darüber werden die Adern gelängt. Beim Einziehen in Leerrohr gilt: nicht mit Kraft, sondern mit Gleitmittel und in Bögen arbeiten. Wie Strecke, Leerrohr und Reserve zu planen sind, steht unter Ethernet-Kabel in der Wand verlegen.
Praxisbeispiele
- Situation: Ein Arbeitsplatz 80 m entfernt soll 10 Gbit/s bekommen. Mit Cat 6 ist das nicht konform; entweder Cat 6a verlegen oder bei 1 beziehungsweise 2,5 Gbit/s bleiben und den Switch entsprechend wählen.
- Situation: Nach dem Auflegen erreicht die Strecke nur 100 Mbit/s. Zuerst die Adernpaare und die Schirmauflage am Patchfeld prüfen, danach mit einem Zertifikattester messen, statt das Kabel zu tauschen.
- Situation: Ein Kabelbündel neben einer Motorleitung stört. Abstand vergrößern, auf F/UTP wechseln und den Schirm durchgehend auflegen; ein Cat-8-Kabel löst das Problem nicht, wenn der Potentialausgleich fehlt.
- Situation: PoE-Kameras fallen bei Volllast aus. 23 AWG statt 26 AWG verwenden, Bündel entflechten und die Wärme im Kanal prüfen, weil sich mehrere belastete Leitungen gegenseitig aufheizen.
FAQ
Reicht Cat 6 für 10 Gbit/s im Haushalt?
Für Strecken bis 55 m ja, sofern die Verlegung sauber ist und keine Störquellen parallel laufen. Bei typischen Wohnungsstrecken von 10 bis 30 m liegt man deutlich innerhalb dieser Grenze. Wer später aufrüsten will oder Strecken über 55 m plant, verlegt Cat 6a und spart sich den zweiten Eingriff.
Muss Cat 6 abgeschirmt sein?
Nein, für Wohnung und Büro reicht U/UTP in der Regel aus. Ein Schirm hilft nur, wenn er durchgehend aufgelegt und mit dem Potentialausgleich verbunden ist. Ohne diese Verbindung entsteht eine Antenne, die Störungen aufnimmt statt ableitet. In Industrieumgebungen ist F/UTP oder S/FTP dagegen die passendere Wahl.
Warum sind 90 m Verlegestrecke und nicht 100 m angegeben?
Weil der Kanal aus drei Teilen besteht: 90 m Verlegestrecke plus je 5 m Patchkabel an beiden Enden ergeben die zulässigen 100 m. Diese Aufteilung stammt aus der Norm für strukturierte Verkabelung und lässt Reserve für Rangierfelder. Wird sie überschritten, sinkt die Dämpfungsreserve und die Fehlerrate steigt.